Werkbeschreibung – Elias (Felix Mendelssohn Bartholdy)
Das Oratorium Elias gehört zu Mendelssohns bedeutendsten geistlichen Werken und entstand in den 1840er Jahren. Nach dem Erfolg seines ersten großen Oratoriums „Paulus“ wandte sich Mendelssohn erneut einer biblischen Gestalt zu, diesmal dem Propheten Elias aus dem Alten Testament. Die Arbeit an dem Werk zog sich über mehrere Jahre hin; Mendelssohn arbeitete intensiv am Text und an der musikalischen Gestaltung und tauschte sich dabei auch mit seinem Freund Julius Schubring aus, der am Libretto beteiligt war. Die Uraufführung fand 1846 beim Birmingham Music Festival in England statt und wurde ein großer Erfolg. Mendelssohn dirigierte das Werk selbst, und es wurde sofort begeistert aufgenommen. Das Libretto basiert auf verschiedenen Bibelstellen aus den Büchern der Könige und erzählt wichtige Episoden aus dem Leben des Propheten Elias, darunter die Dürre in Israel, das Wunder der Auferweckung des Sohnes der Witwe, den Wettstreit mit den Baalspriestern sowie die Erscheinung Gottes im stillen, sanften Sausen.
Das Oratorium ist in zwei große Teile gegliedert und verbindet Elemente der barocken Oratorientradition mit romantischer Klangsprache. Eine zentrale Rolle spielt der Chor, der häufig als Volk Israel oder als kommentierende Gemeinschaft auftritt und die dramatische Handlung mitprägt. Neben großen Chorszenen enthält das Werk zahlreiche Arien, Rezitative und Ensembles, die den Figuren individuelle Ausdrucksmöglichkeiten geben. Die Titelrolle des Elias ist eine dramatische Baritonpartie, die sowohl prophetische Autorität als auch menschliche Zweifel und Erschöpfung ausdrückt. Mendelssohn gestaltet viele Szenen stark dramatisch, etwa im berühmten Chor „Baal, erhöre uns“, der die ekstatische Anrufung der Baalspriester schildert, oder in der Szene des herabfallenden Feuers vom Himmel. Gleichzeitig gibt es auch lyrische und meditative Momente, etwa in der Arie „Es ist genug“, in der Elias seine Erschöpfung beklagt.
Die Wirkung des „Elias“ war von Anfang an außerordentlich groß. Schon kurz nach der Uraufführung wurde das Werk in vielen europäischen Städten aufgeführt und entwickelte sich zu einem der beliebtesten Oratorien des 19. Jahrhunderts. Besonders im deutschsprachigen Raum und in England blieb es über Jahrzehnte ein fester Bestandteil des Konzertrepertoires. Mendelssohn gelang es in diesem Werk, die
dramatische Erzählweise und die kontrapunktische Tradition der barocken Oratorien mit der expressiven Klangsprache der Romantik zu verbinden. Dadurch wirkt das Werk zugleich traditionsbewusst und emotional unmittelbar. Bis heute gilt der „Elias“ als eines der bedeutendsten Oratorien nach Bach und Händel und als Höhepunkt von Mendelssohns geistlichem Schaffen.






















