Christus am Ölberge von Ludwig van Beethoven

op. 85

Das einzige Oratorium von Ludwig van Beethoven schildert die Szene im Garten Gethsemane, wo Jesus kurz vor seiner Gefangennahme steht. Er weiss um seinen nahenden Leidensweg und Tod, den er ebenso fürchtet, wie er ihn schicksalsmässig annimmt. Petrus, sein widerstandsbereiter Jünger, will Jesus retten, wird aber zurückgehalten von ihm und belehrt, dass nicht Kampf und Hass die Botschaft Jesu sei, sondern Liebe. – Aus jenseitiger Sphäre begleitet ein Engel das dramatische Geschehen. 

Das Oratorium ist in expressive Orchesterpartien, Rezitative, Arien und Chöre gegliedert und zeigt zuweilen opernhafte Züge. Anders als in den Passionen, gibt es in «Christus am Ölberge» keinen Evangelisten, der durch das Oratorium führt, sondern Christus selbst ist der Protagonist, gezeichnet als Heldentenor zwischen göttlichem Auftrag und menschlicher Angst, was für die damalige Zeit eine unvertraute Sicht war.

Das Werk wurde 1803 uraufgeführt und vom Publikum freundlich aufgenommen, während die Kritiker eher verhalten reagierten. 1804 überarbeitete Beethoven das Werk grundlegend.

Dauer: ca. 50 Minuten