Johann Sebastian Bach – Johannespassion

Nächstes Konzert zu Ostern 2026:

Gründonnerstag, 2. April 2026
Karfreitag, 3. April 2026, 16.00 Uhr

Mitwirkende:

Jessica Jans, Sopran
Lena Sutor-Wernich, Alt
Manuel Günther, Tenor (Evangelist)
Markus Eiche, Bass
Martin Achrainer, Bariton (Christus)

Tonhalle-Orchester Zürich

Joachim Krause, Leitung

Werkbeschreibung

Die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach

Komponist

Johann Sebastian Bach

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Johannes Passion

Die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach, uraufgeführt im Jahr 1724, gehört zu den bedeutendsten geistlichen Werken der Musikgeschichte und nimmt innerhalb von Bachs Schaffen eine besondere Stellung ein. Sie war Bachs erste große Passionskomposition als Thomaskantor in Leipzig und wurde ursprünglich für den Karfreitagsgottesdienst in der Nikolaikirche konzipiert. Von Anfang an beeindruckte sie durch ihre dramatische Intensität, ihre faszinierende musikalische Struktur und die einzigartige Verbindung von theologischem Gehalt und ausdrucksstarker Kompositionstechnik.

Die Johannes-Passion basiert auf dem Passionstext nach dem Evangelisten Johannes (Joh. 18–19). Während die Matthäuspassion stärker das Mitgefühl des Zuhörers anspricht, zeichnet sich die Johannes-Passion durch eine dramatische, teilweise fast theatralisch zugespitzte Darstellung aus. Jesus erscheint darin als souveräne, über den Ereignissen stehende Gestalt, dessen Passion kein blosses Erdulden, sondern die bewusste Erfüllung eines göttlichen Plans ist. Bach nimmt diese theologische Ausrichtung auf und übersetzt sie in eine musikalische Sprache voller Kontraste und emotionaler Wucht.

Die Struktur der Johannes-Passion umfasst eine Mischung aus rezitativischer Evangelienwiedergabe, chorischen Massenszenen, Ariosi, Arien und Chorälen. Zentral ist die Rolle des Evangelisten, der in secco-Rezitativen das Geschehen erzählt. Diese Erzählpassagen sind geprägt von Klarheit und Beweglichkeit, wodurch die Handlung voranschreitet und die dramatischen Szenen wirkungsvoll in Szene gesetzt werden. Zwischen diese werden die eindrucksvollen Turbachöre eingeflochten, in denen die Volksmassen, die Soldaten oder die Hohenpriester auftreten. Bach nutzt hier eine musikalische Sprache voller eruptiver Energie und rhythmischer Schärfe – etwa im Chor „Lasset uns den nicht zerteilen“ oder „Wir haben ein Gesetz“. Diese Chöre verleihen dem Werk eine besondere dramatische Dringlichkeit und spiegeln die oft harte und aufgewühlte Stimmung des Johannesevangeliums wider.

Die Arien der Johannes-Passion hingegen dienen der meditativen Betrachtung. Hier wird das Geschehen aus der Perspektive des gläubigen Christen reflektiert. Bach gestaltet sie mit einer bemerkenswerten instrumentalen Vielfalt: Oboen, Traversflöten, Viola d’amore, Lauten und Streicher schaffen jeweils eigene Klangwelten, die die theologische und emotionale Dimension der Texte vertiefen. Besonders berühmt ist die Arie „Es ist vollbracht“, die durch ihren Kontrast zwischen klagender Einleitung und triumphierendem Mittelteil das Wesen des Kreuzestodes verdichtet: die Erfüllung des göttlichen Heilsplans. Ebenso eindrucksvoll ist die bassgeführte Arie „Eilt, ihr angefocht’nen Seelen“, die durch ihre klangliche Unruhe die Dramatik des Geschehens widerspiegelt.

Ein besonderes Charakteristikum in Bachs Passionen sind die Choräle. Sie sind sind kunstvoll harmonisiert und zugleich volksnah, wodurch sie als eine Art spiritueller Kommentar fungieren, der das Geschehen auf der Bühne theologisch deutet. Bach gelingt es, durch subtile harmonische Wendungen emotionale Nuancen sichtbar zu machen – vom Vertrauen auf Gottes Beistand bis zur tiefen Erschütterung über das Leiden Christi.

Im Vergleich zur Matthäus-Passion wirkt die Johannes-Passion kompakter, schärfer und stärker dramatisch orientiert. Sie ist kürzer und konzentrierter, arbeitet mit einem intensiveren musikalischen Hell-Dunkel-Spiel und enthält Passagen von fast opernhafter Expressivität. Dies führte in der Bach-Forschung immer wieder zu Diskussionen über den „charakteristischen Tonfall“ des Werkes, der zwischen kontemplativer Frömmigkeit und dramatischer Erregung changiert. Viele Musikwissenschaftler sehen in der Johannes-Passion eine Art „musikalisch-theologisches Drama“, das trotz seines liturgischen Ursprungs eine deutliche Szenenhaftigkeit besitzt.

Im Laufe von Bachs Amtszeit entstanden mehrere überarbeitete Fassungen der Johannes-Passion, da er sie bei verschiedenen Aufführungen an die jeweiligen liturgischen und musikalischen Anforderungen anpasste. Diese Fassungen unterscheiden sich teils erheblich in der Auswahl der Arien, der Instrumentation und der Choräle. Dadurch ergibt sich ein facettenreiches Bild eines Werkes, das Bach zeitlebens beschäftigte und dessen endgültige Gestalt keine eindeutige, verbindliche Version besitzt. Die heute am häufigsten aufgeführte Fassung ist eine Rekonstruktion der vermeintlichen Urfassung von 1724 mit einer Auswahl späterer Ergänzungen.

Die Johannes-Passion hat bis heute nichts von ihrer emotionalen und geistigen Kraft verloren. Sie fordert den Zuhörer heraus, indem sie Leid, Schuld, Erlösung und göttliche Souveränität in einem musikalischen Spannungsfeld verhandelt, das gleichermaßen erschüttert wie tröstet. Ihr Reichtum an musikalischen Ideen, ihre packende Dramatik und ihre spirituelle Tiefe machen sie zu einem Meisterwerk, das zu den Höhepunkten der europäischen Musikgeschichte zählt. Jede Aufführung eröffnet neue Perspektiven auf ein Werk, das trotz seiner über 300-jährigen Geschichte eine zeitlose Aktualität bewahrt.

Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium – 2019

Sonntag, 8. Dezember 2019
Tonhalle Maag, Zürich

Jana Baumeister, Sopran
Carmen Seibel, Mezzosopran
Julian Habermann, Tenor
Johannes Kammler, Bariton

Musikkollegium Winterthur
Joachim Krause, Leitung

Werkbeschreibung

Das Weihnachtsoratorium…

Komponist

Johann Sebastian Bach wurde 1685 in Eisenach (Thüringen) als achtes Kind in eine Familie angesehener Spielleute und Hofmusiker geboren 

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Johann Sebastian Bach wurde 1685 in Eisenach (Thüringen) als achtes Kind in eine Familie angesehener Spielleute und Hofmusiker geboren. Als er kaum zehn Jahre alt war, war er bereits Vollwaise und kam zu seinem 13 Jahre älteren Bruder, der als Organist unweit von Eisenach tätig war. Hier erhielt Bach nicht nur eine solide Ausbildung u.a. in alten Sprachen, Mathematik, Theologie und Musik, sondern wurde von seinem Bruder auch im musikalisch-schöpferischen Bereich gefördert. Als gerade erst 18-Jähriger trat Bach in Arnstadt seine erste Stelle als Organist an. Dort kam es aber zum Eklat, als er Ende 1705 vier Wochen Urlaub erbat, um zu Dietrich Buxtehude nach Lübeck zu reisen, und den Urlaub einfach auf drei Monate ausdehnte.

1706 trat Bach eine neue Stelle als Organist in Mühlhausen an und heiratete im Oktober 1707 seine Cousine Maria Barbara. Auch in Mühlhausen hielt es ihn aber nicht lange. Als am Hof des Herzogs von Sachsen-Weimar die Organistenstelle frei wurde, nutzte Bach die Chance zum Wechsel. Es folgten glückliche und finanziell gesicherte Jahre. In Weimar entstanden einige von Bachs schönsten Fugen und Kantaten und er bekam den angesehenen Posten des Konzertmeisters der Weimarer Hofkapelle. Als der Herzog von Weimar 1717 jedoch eine weitere Beförderung Bachs ablehnte, bewarb dieser sich erfolgreich als Kapellmeister beim Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. In der produktiven Köthener-Zeit entstanden die Brandenburgischen Konzerte und das Orgelbüchlein. Überschattet wurde die glückliche Zeit jedoch vom plötzlichen Tod Maria Barbaras im Juni 1720. Ein Jahr später heiratete der 36-jährige Bach die 20-jährige Anna Magdalena Wilcken.

In die Zeit seiner zweiten Ehe fiel Bachs grösster beruflicher Erfolg: Im Jahr 1723 wurde er Thomaskantor in Leipzig. Dort entstanden seine grossen religiösen Werke, die Johannes- und die Matthäuspassion, das Weihnachts- und das Osteroratorium, die h-moll-Messe, sowie fast 300 Kantaten.

Am 28. Juli 1750 starb Bach an einem Schlaganfall. Seine Musik geriet danach schnell in Vergessenheit. Erst Felix Mendelssohn Bartholdy gelang es mit seinen Bachkonzerten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das Interesse an Bach erneut zu wecken. Nun erst erhielt der Organist aus Thüringen die Anerkennung, die ihm gebührt: Als musikalisches Genie von gewaltiger Schöpferkraft.

Quelle: www.klassika.info

Werkbeschreibung – Matthäus-Passion, BWV 244

Johann Sebastian Bach feilte während etwa 15 Jahren an seinem grössten geistlichen Werk und hinterliess dessen endgültige Version schliesslich in der handschriftlichen Partitur von 1736. Die Frühfassung, wesentlich kürzer als die uns heute geläufige, wurde wohl schon am Karfreitag 1727 erstmals aufgeführt. Nach Bachs Tod geriet das Werk in Vergessenheit, erlebte 1829 durch die legendäre Aufführung unter Felix Mendelssohn Bartholdy jedoch seine Renaissance.

Inhaltlich verknüpfte Bach in seiner Passion drei verschiedene Textebenen: den biblischen Passionsbericht nach Matthäus, eine Auswahl von Choralsätzen und erbauliche Texte von Picander. Seine «grosse Passion» legte er mit zwei Chören an, die sich oft zu einem einzigen Klangkörper zusammenschliessen, sich aber auch immer wieder dialogisch gegenüberstehen. Szenisch-unmittelbar entfaltet sich so vor Zuhörerinnen und Zuhörern jenes dramatische Geschehen um Jesu Verurteilung, seine Kreuzigung und seinen Tod.

Vielfältige, klanglich sehr unterschiedliche Instrumente begleiten die Arien. Sie untermalen und verstärken die Worte der Solistinnen und Solisten mit ihrem je eigenen emotionalen Ausdruck.